Klimawandel und Sommerekzem beim Pferd: Warum die Gefahr zunimmt

Klimawandel und Sommerekzem beim Pferd: Warum die Gefahr zunimmt

Es gibt Hinweise darauf, dass der Klimawandel das Auftreten und die Schwere des Sommerekzems (Insect Bite Hypersensitivity, IBH) bei Pferden beeinflussen kann. Der Zusammenhang gilt als biologisch plausibel und wird durch Studien gestützt, auch wenn der Klimawandel nicht die einzige Ursache ist.

Was ist Sommerekzem?

Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Stechmücken, insbesondere von Gnitzen der Gattung Culicoides. Betroffene Pferde entwickeln starken Juckreiz, vor allem an:

  • Mähnenkamm
  • Schweifrübe
  • Bauchnaht
  • Kopf und Ohren (je nach Insektenart)

Wie beeinflusst der Klimawandel das Sommerekzem?

1. Längere Insektensaison

Mildere Winter und frühere Frühlinge ermöglichen es Gnitzen, früher aktiv zu werden und später im Herbst aktiv zu bleiben. Dadurch verlängert sich die Zeit, in der Pferde den Insekten ausgesetzt sind.

Beleg: Die Entwicklung und Aktivität von Culicoides-Arten hängt stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Wärmere Bedingungen verlängern ihre Aktivitätsperiode.

2. Zunahme der Insektenpopulation

Höhere Temperaturen beschleunigen die Entwicklung der Larven. Feuchte Böden nach Starkregen oder Überschwemmungen schaffen zusätzliche Brutstätten.

Allerdings können extreme Trockenheit oder langanhaltende Hitze lokale Populationen auch verringern. Der Effekt ist daher regional unterschiedlich.

3. Ausbreitung in neue Regionen

Mehrere Culicoides-Arten breiten sich in Europa nach Norden und in höhere Lagen aus. Dadurch treten Erkrankungen, die früher selten waren, heute auch in bislang weniger betroffenen Gebieten häufiger auf.

Weitere Einflussfaktoren

Der Klimawandel allein verursacht kein Sommerekzem. Entscheidend sind außerdem:

  • genetische Veranlagung
  • individuelle Immunreaktion
  • Haltungsbedingungen
  • Nähe zu Feuchtgebieten
  • Weidemanagement

Was bedeutet das für Pferdehalter?

Folgende Maßnahmen gelten als besonders wirksam:

  • Ekzemdecke bereits vor Beginn der Gnitzensaison anlegen.
  • Weidegang in der Dämmerung und nachts reduzieren, da Gnitzen dann besonders aktiv sind.
  • Möglichst windige Weiden wählen (Gnitzen fliegen schlecht bei Wind).
  • Feuchte Stellen und stehendes Wasser in Stallnähe möglichst vermeiden.
  • Insektenschutzmittel gezielt einsetzen.
  • Bei stark betroffenen Pferden frühzeitig tierärztlich einen Behandlungsplan erstellen.

Fazit

Der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand spricht dafür, dass der Klimawandel das Risiko für Sommerekzem indirekt erhöht, indem er Lebensbedingungen für Gnitzen verändert und ihre Aktivitätszeit verlängert. Ob einzelne Pferde tatsächlich stärker betroffen sind, hängt jedoch zusätzlich von ihrer genetischen Veranlagung, der regionalen Insektenpopulation und den Haltungsbedingungen ab.

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Wissenschaftliche Quellen finden Sie unter anderem:

  • World Organisation for Animal Health – Informationen zur Biologie und Verbreitung von Culicoides als Krankheitsüberträger.
  • European Food Safety Authority – Bewertungen zur Verbreitung von Culicoides und den Auswirkungen klimatischer Faktoren.
  • Intergovernmental Panel on Climate Change – Berichte über die Auswirkungen des Klimawandels auf Vektoren und vektorübertragene Erkrankungen.
  • Mellor PS, Boorman J, Baylis M. Culicoides biting midges: their role as arbovirus vectors. Annual Review of Entomology (2000).
  • Schaffartzik A. et al. Studien zur Insect Bite Hypersensitivity (IBH) beim Pferd, veröffentlicht in veterinärmedizinischen Fachzeitschriften.